Veranstaltungsreihe: ’19 – Rechtsruck Sachsen, quo vadis ..?

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Veranstaltungsreihe zur aktuellen politischen Kultur und linken Perspektiven

Im August 2019 sind Landtagswahlen in Sachsen. Mit Blick auf die letzte sächsische Landtags- und die Bundestagswahl ist davon auszugehen, dass mindestens eine völkisch-nationalistische Partei in den Landtag einzieht. Mehr noch: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die rechtskonservative Sachsen-CDU zu ihrem Machterhalt, und/oder aus Gründen ideologischer Nähe, gar eine Koalition mit der AfD eingeht. Dies würde bedeuten, dass die AfD nicht nur der parlamentarische Arm des Hasses auf der Straße wäre, sie befände sich dazu in gesetzgebender Position. Ein weiterer Rechtsruck innerhalb der CDU ist bereits wahrnehmbar und könnte, wie von Ihnen angekündigt, fortgeführt werden um die „rechte Flanke“ zu schließen. Doch die regressiven Strukturen kommen nicht aus dem Nichts und agieren auch nicht im luftleeren Raum.Sowohl die etablierte Rechte, als auch die konservative Mehrheitsgesellschaft können zurückgreifen auf einen Pool an Ideologien und ein Netzwerk von Stichwortgeber*innen und Unterstützer*innen. Bei den einen heißen sie Werner Patzelt und Kurt Biedenkopf, bei den anderen Götz Kubitschek, „ein Prozent“ und die selbsternannte „identitäre Bewegung“. Was sie eint, ist ihr Weltbild. Was sie unterscheidet, sind Nuancen. Doch in jedem Fall bedeutet dies, dass die Gleichwertigkeit aller Menschen, emanzipatorische Errungenschaften und gesamtgesellschaftliche Mindeststandards, sowie die Selbstverantwortung des Individuums in Abrede gestellt werden. Es ist demnach zu befürchten, dass gesellschaftspolitisches Engagement für bessere Lebens-, Arbeits- und Wohnbedingungen für Alle, sowohl parlamentarisch als auch auf breiter Ebene intensiveren Angriffen ausgesetzt sein wird als bisher schon.
Doch die Geschichte ist noch nicht geschrieben. Wir können uns in die Diskurse einmischen! Egal ob im Büro, an der Uni, auf der Straße oder in der Warteschlage beim Bäcker. Es ist an uns den Menschenfeinden nicht weiterhin das Feld zu überlassen. Lasst uns uns dafür vernetzen. Lasst uns gemeinsam bilden, gemeinsam feiern und gemeinsam kämpfen!
Wir wollen mit dieser Veranstaltungsreihe, welche auf unbestimmte Zeit weitergeführt werden soll, aufzeigen, was das ideologische Fundament der Menschenfeinde ist, wie sie vernetzt sind und wie deren Strategie und Arbeit praktisch aussehen. Wir wollen aber auch mit euch zusammen Perspektiven und Strategien erarbeiten, wie wir Alternativen zu der vermeintlichen Alternativlosigkeit gestalten können. Eine andere Welt ist möglich, es geht ums Ganze!

 

Veranstaltungen

Donnerstag, 15.03.2018, 19 Uhr
IZ Dresden (Riesaer Str. 32, 01127 Dresden)

Betriebsratskampf von Rechts? – Wie die „neuen“ Rechten in die Betriebe wollen
von Jerome Trebing

Mit „Werde Betriebsrat“ verdichten sich die Zeichen, dass die Reaktionären aus dem Umfeld der „AfD“ das Potential, dass Pegida & Co. seit Jahren auf die Straße zieht, versuchen wollen gezielt in ihre Aktivitäten einzubinden. Neue Gewerkschaften braucht das Land. Zumindest wenn es nach Meinung der Organisation „EinProzent“ geht.
Anknüpfungspunkte sind hierbei aber eben nicht elitäre, akademisch bestens ausgebildete Personen, wie sie das Gros der „Identitären“ abbilden, denn vielmehr eine breite Basis aller Werktätigen. Gezielt sollen hierbei Menschen für den Betriebsrat ausgebildet werden. Bisherige Erfolge sind exklusive Schulungen für die angehenden patriotischen Vertreter der deutschen Werktätigen, Zeitungen in Auflage von hunderttausenden und jede Menge auf hochglanz polierte Werbevideos. Doch was steckt wirklich hinter diesen Bemühungen? Was für Organisationen sind maßgeblich in die Organisation verwickelt? Und was können wir gegen diese Bestrebungen von Rechts jetzt unternehmen?

 

Samstag, 17.03.2018, 18 Uhr
Kinder- und Jugendhaus Louise (Louisenstr. 41, 01099 Dresden)

Jugendarbeit des Interregnum – Über die Zugriffe der extremen Rechten auf Jugendarbeit & Soziale Arbeit
von Jerome Trebing

Seit Jahren baut die europaweit agierende extrem rechte Gruppierung „Die Identitären“ an eigenen Strukturen um jugendlichen Adressat*innen ein breites Angebot an soziokulturellen Aktivitäten anbieten zu können. „Wir sind patriotische Streetworker“, mit dem Ziel eine „patriotischen Erziehung der Jugend“ wird dabei verlautbart. Vorbild dürfte hierbei die neofaschistische italienische Gruppe „Casa Pound“ sein, die zahlreiche Stadtteilzentren unterhält und sich in größeren Städten als SozialarbeiterInnen – zum Beispiel in der aufsuchende Jugend -, sowie der Communityarbeit betätigt.

Der Vortrag wird hierbei einen bislang in der Auseinandersetzung mit neueren extrem rechten Gruppierungen oftmals eher ignorierten Punkt aufgreifen: Die konkreten Manifestationen der Ideologie in der reaktionären Eroberung des sozialen und kulturellen Raumes.

 

Sonntag, 18.03.2018, 18 Uhr
Hole of Fame (Königsbrücker Str. 39, 01099 Dresden)

Buchvorstellung: Untergangster des Abendlandes – Ideologie und Rezeption der rechtsextremen ‚Identitären‘

Die rechtsextremen ‚Identitären‘ gehören ohne Zweifel zu den wichtigsten Akteur*innen des außerparlamentarischen Rechtsextremismus in Österreich. Ihr „Erfolgsrezept“ liegt einerseits darin begründet, sich nach außen hin vom Nationalsozialismus abzugrenzen und so behördlicher Repression nach dem „Verbotsgesetz“ aus dem Weg zu gehen und andererseits gesellschaftlich anschlussfähige Konzepte eines modernisierten völkischen Nationalismus zu propagieren. Dabei bedienen sie sich eines Straßenaktivismus, der geschickt mit Social-Media-Tools inszeniert und verbreitet wird.
Bisherige Auseinandersetzungen mit diesem relativ jungen Phänomen übernahmen nicht selten unkritisch Selbstbezeichnungen der ‚Identitären‘ als „weder links noch rechts“ oder „Neue Rechte“ und ließen dahinter stehende ideologische Denkmuster meist zu kurz kommen.
Der vorliegende Sammelband nimmt daher eine kritische Analyse dieser Selbstinszenierungen vor, indem die hinter dem ‚identitären‘ Denken stehenden Vordenker und Ideologeme wie (Neo-)Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus analytisch durchdrungen und mit anderen Formen des Rechtsextremismus in Verbindung gesetzt werden. Ergänzend werden bislang vernachlässigte Themen wie subkulturelle Bezüge der ‚Identitären‘, propagierte Geschlechterbilder, Rhetoriken der Angst sowie ihr Verhältnis zu Islamismus und eurasischer Ideologie ins Zentrum der Analyse gerückt.
Dabei wird auch der Frage nachgegangen, wie sich der rechtsextreme Charakter der ‚Identitären‘ begründen lässt und inwiefern von einer modernisierten Form des Rechtsextremismus gesprochen werden kann.